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15.Mar.2010 - 12:54, Kategorien: Top Story of the Week | Ski und Snowboard
Tags: top story ösv ski bilanz winter 2009/2010 weltcup gesamtweltcup skifahren erfolg enttäuschung trainer diskussion verwöhnt positiv krise geld skisport
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Top Story of The Week: Das Positive am Weltuntergang

Na pfu, das war ja wirklich eine ordentliche Watschn… Das Finale des Ski-Weltcups ist aus österreichischer Sicht so ziemlich schlechtestmöglich verlaufen. Sogar um die doch eigentlich g’mahte Wies’n Herren-Slalom-Weltcup mussten wir noch bangen bis zur letzten Minute. Und ansonsten? Praktisch nichts, nada. Jetzt ist der Katzenjammer natürlich groß, der Österreichische Skiverband Prügelknabe des kollektiven Volkszorns. Ist das schön, wie sie jetzt alle hinhauen können, die verkappten Profi-Trainer dieses Landes. Wer jetzt mit Spott und Hohn vor allem für die Ski-Herren geizt, gehört definitiv zu den Außenseitern jedes Stammtisches. Doch wie berechtigt sind eigentlich die Schimpftiraden und nicht enden wollenden Beschwerden? Ist die Krise des ÖSV tatsächlich ein so unverständliches Desaster wie es zurzeit in jeder Small Talk-Runde und jedem Zeitungskommentar heißt?



Es gibt nichts dran zu rütteln. Die abgelaufene Weltcup-Saison war bestimmt kein Ruhmesblatt für die österreichischen Skifahrer und Skifahrerinnen. Spätestens nachdem Benni Raich alle Chancen auf den Gesamtweltcup versemmelte, war klar: Heuer wird das Schönreden richtig schwer. Der Winter 2009/2010 gehört in seiner Gesamtheit zu den schlechtesten Saisonen des ÖSV. Besonders bitter schmeckt das nach dem erfolgsbeduselten Überjahrzehnt aus dessen Euphorie wir alle gerade taumelten. Vor allem für eine Nation, die sportlichen Erfolg, aus welchen Gründen auch immer, einzig und allein über die Skiherren definiert. Die Olympischen Winterspiele in Vancouver waren ja eigentlich gar nicht so furchtbar schlecht, wie alle gerne tun. Eigentlich gehörten sie sogar zu den drittbesten Winterspielen aller Zeiten. Aber da können sich Skispringer, Biathleten, Snowboarder, Rodler und sogar die ÖSV-Damen Haxen ausreißen, so viele sie wollen – alles wurscht, wenn die österreichischen Skiherren versagen.

Und schon geht es los das Geschrei. Wie kann das sein, dass der reichste Skiverband der Welt nix reißt? Wie kann das sein, dass die Skidamen den Nationencup beinahe an die Deutschen abgeben mussten? Wie kann das sein, dass weder die österreichischen Herren noch die ÖSV-Damen einen einzigen Abfahrtssieg einfahren konnten? Wie kann das sein, dass beim Verband mit den besten Möglichkeiten für den Nachwuchs einfach nix nachkommt?

Nun, so schlimm, wie sich das jetzt alles aufschaukelt, ist es dann auch wieder nicht. Zuallererst einmal: der ÖSV mag absolut gesehen der reichste Skiverband der Welt sein. Allerdings ist er auch der mit den meisten Athleten, die alle versorgt werden wollen. So relativiert sich das bombastische Budget ein wenig. Nationen wie Norwegen, Kroatien und Schweden haben natürlich wesentlich weniger Geld zur Verfügung, allerdings haben sie auch weniger Athleten, Betreuer und Einrichtungen, die von diesem Geld bezahlt werden müssen. Auch der riesige österreichische Betreuerstab schaut nur auf den ersten Blick so unfair groß aus. Man kann sich sicher sein, dass auch ein Bode Miller, ein Aksel Lund Svindal oder eine Maria Riesch persönliche Betreuer haben, die nur für sie abgestellt sind.

Generell muss man das mit dem katastrophalen Tief einfach mit ein bisschen Abstand betrachten. Auf und ab geht es nun mal bei jedem Skiverband und auch bei jedem Skiläufer. Schau mal, wo die Schweizer vor vier Jahren herumgekrebst sind. Schau mal, was bei den Kanadiern so los war. Und auch Miller, Paerson oder Cuche haben schon viele Höhen und Tiefen hinter sich – ohne dass deswegen gleich die Welt untergegangen wäre. Für die Österreicher schaut das alles nur immer ein bisschen schlimmer aus, weil wir die Skifahrerei erstens überproportional wichtig nehmen und weil wir zweitens gerade aus wahnsinnig fetten Jahren kommen. Aber wie heißt’s so schön: Wer hoch steigt, der kann auch tief fallen. Und das was die Österreicher in den Jahren 1997 – 2006 erlebt haben, das war schon nicht mehr einfach hoch, das war Empire State Building. Und da ohne Fallschirm runter zu fallen, gehört nun mal bestimmt nicht zu den angenehmsten Erlebnissen, die man sich so vorstellen kann…



Im Grunde kann der ÖSV jetzt eh nur schauen, dass er in den nächsten ein, zwei Jahren noch einen Fallschirm aus dem Ärmel schüttelt. Ob der jetzt Hirscher, Herbst, Schild, Scheiber, Zettel, Baumann oder doch wieder Raich heißt, ist dabei eigentlich ziemlich egal. Hauptsache, dass Untenankommen tut dem ÖSV und uns Fans nicht allzu weh.

Und wir Zuschauer und Beobachter sollten ganz einfach die Erwartungshaltung ein wenig zurückschrauben und uns klar machen: So erfreulich der Skisport vor 12 oder 10 Jahren auch für und Österreicher war, so frustrierend und stinkfad war er für den Rest der Welt. Und weil Sport ohne TV-Präsenz, ohne Investoren und Werbepartner nun mal in der heutigen Zeit nicht mehr möglich ist und die Österreicher allein für Investoren und Werbepartner vielleicht nicht unbedingt die vielversprechendste Zielgruppe sind, sollten wir eigentlich froh sein, dass der österreichische Erfolgslauf irgendwann mal unterbrochen wurde. Sonst hätten wir uns spätestens in zwei Jahren vielleicht nur noch ständig österreichischen Meisterschaften auf unserem Regionalsender reinziehen können. Und das wäre dann auf Dauer auch irgendwie fad, oder…?

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