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20.Jun.2008 - 12:26, Kategorien: Gedanken zum Klettersteigen | Klettersteig
Tags: klettersteige meinung diskussion alpinismus
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Himmelsleiter oder Stairway to Hell?

Über Klettersteige lässt sich gut streiten. Das merkt man in jedem Klettersteig- und Bergsteig-Forum und auf jeder Alpenvereins-Hütte. Warum? Weil's einerseits grad schwer im Trend liegt und dadurch natürlich im Zentrum der Aufmerksamkeit. Andererseits gibt's wie bei so vielen anderen Dingen, die auf einmal einer größeren Gruppe Zugang zu etwas verschaffen, was vorher nur einen eingefleischten Elite vorbehalten war, die üblichen Vorwürfen von Trend-Sportlerei, Ausverkauf und manchmal auch von Gefährdung der Massen. Weil nämlich die bösen, bösen Tourismus-Treibenden überall ziemlich feine Klettersteige aus dem Boden stampfen lassen und dann auch noch Werbung dafür machen! Man stelle sich das vor! Das sind übrigens die gleichen Bösewichte, die auch immer diese garstigen Ski-Pisten veranlassen.

Von manchen Bergfexen und Alpin-Heroen werden also Klettersteige als eiserne Wege der Verdammnis betrachtet. Nur haben die zum Glück meistens nur wenig Einfluss drauf, wie sich die Geschichte mit den Klettersteigen tatsächlich entwickelt.



Diese Geschichte von "Nur pur zum Gipfel" etc. ist ein alter Hut und hat in der jüngeren Sportkletter-Geschichte schon viele Schläge einstecken müssen. Oft vor allem aus dem einfachen Grund, weil die lieben Purismus-Verfechter eine ziemliche Intoleranz gegenüber allen anderen Bergbesteigungsarten an den Tag legen und ihrerseits auch nicht gerade zimperlich mit Austeilen sind. ABER unglaublicherweise findet sogar der sonst bekanntlich unglaublich stur auf dem puristischen, unverfälschten Bergsteigen beharrende Reinhold Messner Klettersteige gar nicht schlecht. Paradox? Vielleicht ein bisserl. Andererseits: Leute, die begeistert an einem fix verlaufenden Drahtseil fest geklinkt sind, kommen ihm ziemlich sicher nie in die Quere...



Klettersteige sind die Möglichkeit, vielen Menschen ein überwältigendes Bergerlebnis zu verschaffen. Und in diesem Sinne sind sie eigentlich ziemlich demokratisch. Und wie das in einer Demokratie nun mal ist, trägt jedes Männlein, jedes Weiblein eine Eigenverantwortung mit sich spazieren. Für Klettersteige heißt das: ich bin selbst dafür verantwortlich, welchen Steig ich nehme und welche Ausrüstung ich dabei hab. Und NICHT der böse Klettersteig. Fertig! Tatsache ist aber auch, dass diejenigen, die den Klettersteig freigeben, dazu verpflichtet sind, den Steig richtig zu beschreiben und den Schwierigkeitsgrad realistisch einzuschätzen. Das ist aber leider nicht immer der Fall und es macht ja wohl wirklich keinen Spaß, besser: es ist sogar derb gefährlich, in einem falsch beschriebenen Klettersteig unterwegs zu sein.



Darum kommt man als Klettersteiger eigentlich auch gar nicht drum rum, sich ein vernünftiges Buch zum Sport zu kaufen. Unser Favorit unter den Klettersteig-Führern: Der Klettersteig-Atlas von Kurt Schall. Weil da alle österreichischen Klettersteige drin sind, die zu gehen sich tatsächlich auszahlt. Mit einer vernünftigen Beschreibung, bei der man sich auch einiges vorstellen kann, einer übersichtlichen Darstellung der Steige samt Abbruch-, Einstiegs- und Aussteigsmöglichkeiten, einer realistischen Schwierigkeitseinstufung und anschaulichen Fotos dazu. Der Atlas kommt schlauerweise als Ringbuch daher, das heißt, man kann sich die betreffende Tour einzeln mitnehmen. Und das ist ein wunderbarer Vorteil, weil nun mal ein oder zwei Seiten bedeutend weniger wiegen als ein 450 Seiten dickes Standardwerk... (Kleiner Tipp übrigens: Die Touren werden alle bombenfest eingeschätzt, also eher ein bisserl schwieriger beschrieben als zu leicht.)



Also, zusammengefasst: Klettersteige sind der Berg-Kick für alle, die in einer halbwegs vernünftigen körperlichen Verfassung sind. Wen schon beim liftlosen Erreichen des 2. Stocks das Gefühl einer Gipfel-Tour beschleicht, der sollt sich das wirklich noch mal überlegen mit der Via Ferrata. Jeder hat sich selbst drum zu kümmern, dass er den richtigen Klettersteig, die richtige Begleitung und die richtige Ausrüstung für sich aussucht. Und ein gutes Buch zu lesen, schadet wie so oft auch in diesem Falle nicht...

Fotos:

Alle: © Kurt Schall Verlag

Bild 1: Türkensturz; Bucklicke Welt, NÖ; Foto: Willi End
Bild 2: s'Schuastagangl, Chiemgauer Alpen, Tirol; Foto: Kurt Schall
Bild 3: Kristall-Klettersteig, Weißsee, Salzburg; Foto: Kurt Schall
Bild 4: Rote Säule; Venedigergruppe, Osttirol; Foto: Willi End
Bild 5: Kaiserschild; Eisenerzer Alpen, Steiermark; Foto: Kurt Schall

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