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12.Aug.2008 - 15:08, Kategorien: Nordic Walking WM | Klopeiner See - Südkärnten | Laufen
Tags: nordic walking wm stockjogging stock jog regeln schummeln wettbewerb technik
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Vom Stockjoggen und Stöcketragen - Das Kreuz mit Nordic Walking-Wettkämpfen

Mit den Wettbewerben beim Nordic Walken ist es so eine Sache. Für viele Nordic Walker ist die Wettbewerbssituation ja schon von Haus einmal gar nix. Wer den Sport hauptsächlich betreibt, um Stress und Druck abzubauen, wär irgendwie dämlich, wenn er sich jetzt freiwillig Wettkampfstress und Leistungsdruck umhängt.

Trotzdem sind die meisten Events ein Bombenerfolg. Bestimmt zum Großteil darum, weil viele Nordic Walker den olympischen Gedanken in den Vordergrund stellen. Sie sehen solche Wettbewerbe als das, was sie auf jeden Fall sind: eine große Portion Motivation und die Möglichkeit ganz viele andere begeisterte Nordic Walker zu treffen und sich vielleicht mal wieder mit der eigenen Technik auseinanderzusetzen. Außerdem gibt’s bei den meisten Veranstaltungen netterweise jede Menge Info zum Thema, Workshops, Schnupper-Trainerstunden. Und ein paar Partys werden auch gefeiert, wie man munkelt. Alles ist gut, wir haben uns lieb und wer gewinnt, ist doch eigentlich wurscht.



Schön, wenn man’s so sehen kann und die manchmal recht eigenwilligen Regelauslegungen mancher Teilnehmer mit einem wissenden Lächeln auf deren Karma-Konto verbuchen kann. Blöd, wenn man den Wettbewerb aber tatsächlich vor allem als Wettbewerb betrachtet und auch ganz gern den seiner Leistung entsprechenden Platz haben möchte. Weil da muss man sich leider bei solchen Wettkämpfen oft ärgern.

Das riesigste Problem bei Nordic Walking-Bewerbung ist schlicht und ergreifend die Wertung. Beim Laufen ist es ja recht einfach: Wer schneller läuft, hat mehr vom Stockerl. Und wenn’s einer nicht dablast und nur noch ins Ziel geht, wankt oder robbt, ist das auch wurscht und wird gewertet, wenn es sich irgendwie im Zeitlimit ausgeht.

Blöderweise funktioniert das beim Nordic Walken nicht so ganz: Nur weil einer richtig schnell im Ziel ist, heißt das noch lange nicht, dass er der beste Walker am Start war. Beim Nordic Walken kommt’s nun mal auch auf die Technik an. Und blöderweise büßt, wer sauber stockt, Zeit ein. Und die Geschichte wird durch den richtigen Stockeinsatz halt auch gleich um Häuser anstrengender (was ja im Grunde der Sinn am Nordic Walking ist).

Darum bemerkt man bei Bewerben mit Zeitnehmung oft mal eine dezente Schlodrigkeit beim Stockeinsatz. Da wird getippt und gepickst, was das Zeug hält. Und der eine oder andere Stockeinsatz wird – hoppala! - gleich ganz geopfert, da will man ja mal nicht so sein.



Am allerbeliebtesten sind aber mit Abstand die Starter im Feld, die sich in vermeintlich unbeobachteten Augenblicken schwuppdiwupp ihre Stecken unter den Arm klemmen und gaaaaaanz unauffällig zu traben beginnen. Böse, böse! Und nachher war’s dann wieder keiner, gell? Und alles nur, um am Ende in der Rangliste ein Stück weiter oben zu stehen. Oder, wenn man’s schlau macht, sogar ganz oben.

Bei dieser Taktik muss man allerdings mit recht gut gezielten, tieffliegenden Stöcken aus dem Hinterfeld rechnen. Spätestens dann, wenn man sich dann mit stolzgeschwellter Brust am Stockerl platziert. Solche Schummeleien und Grenzgängereien sorgen eben für einigen Frust bei den Nordic Walkern, die sich an die Regeln halten und auf ihre Technik achten. Und wenn man dann schon bewaffnet ist…

Glücklicherweise gibt’s aber ein paar Auswege aus der Misere Nordic Walking-Bewerb: Einige Veranstalter sind dazu übergegangen, gleich gar keine Zeit mehr zu nehmen. Das Ganze ist dann quasi ein großes Gruppen-Walking. Ist natürlich nicht so unheimlich spannend, aber wenigstens haben sich alle lieb. Bei anderen Events wird die Zeit zwar genommen, nur gibt’s nachher keine offizielle Rangliste, sondern bloß eine alphabetische Liste. Pokale gibt’s maximal für die Walker, die z.B. die weiteste Anreise hatten, den jüngsten oder den ältesten Teilnehmer im Feld.

Weils aber halt irgendwie doch so schön ist, mit einer richtige Siegerehrung und dem Besten ganz oben und so weiter, gibt’s jetzt bei immer mehr Bewerben einen Haufen Unparteiischer, die Füße und Stöcke der Walker im strengen Auge behalten. Bei der 1. Nordic Walking WM am Klopeiner See von 12. – 14. September zum Beispiel. Und da geht’s dann auch gleich recht drastisch zur Sache: Wer da von den mobilen Strafrichtern mit beiden Füßen in der Luft erwischt wird oder seine Stöcke ein bisschen spazierenträgt, der wird nicht nur verwarnt, sondern muss auch gleich eine Strafrunde von 150 Metern einlegen. Und zwar vor dem Zielbereich, damit’s auch richtig bitter wird. Und für notorische Schummler setzt’s nach der 4. Verwarnung dann die Disqualifikation. Hört sich vielleicht hart an, aber wir reden ja auch nicht von einem Kindergeburtstag, sondern von einer Weltmeisterschaft. Und wer wirklich 4-mal trotz Verwarnungen gegen die Regeln verstößt, der kann dem Osterhasen erzählen, dass das keine Absicht war und nachher beim Salzamt eine saftige Beschwerde einlegen. Vor allem, weil die Regeln am Klopeiner See (nachzulesen hier) wirklich nicht so furchtbar kompliziert sind: „Laufen verboten!“ und „1 Schritt – 1 Stockeinsatz“. Basta.



So will man also bei der Nordic Walking WM also dafür sorgen, dass sich auch die Richtigen über den Weltmeistertitel freuen. Und nicht nur die gefinkeltsten Schummler. Das sollte eigentlich das Frustpotential im Feld schön niedrig halten. Und den Stockflug in Grenzen.

Es steht also auch einem Start der Nordic Walker, die sich mit der karma-basierten Gelassenheit ein wenig schwertun, nichts im Wege. Wer läuft, seine Stecken nicht richtig benutzt, abkürzt oder sonst irgendwie schummelt, kriegt die Zeit, die er so einsparen will, wieder aufgebrummt und fertig.

Am Klopeiner See steht eben nicht das Stockjogging, Stöcktragen und Abkürzerfinden im Mittelpunkt. Sondern schlicht und ergreifend das Nordic Walking.


Alle Fotos: © Klopeiner See - Südkärnten / Krobath

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