Blog | der-berg-brennt
Skilauf in den Alpen
Pionieren wie Payer, Offermann oder Zdarsky sei Dank, dass der Skilauf aus dem telemarkbegeisterten Norwegen nach Österreich gefunden hat. 1901 wurde dann am Arlberg der erste Skiclub gegründet. Im „Ländle“ ist man bis heute skeptisch gegen alles was von außen kommt und war es auch damals, als ein norwegischer Ingenieur, der 1887 beruflich mit dem neuen Arlbergtunnel zu tun hatte, es bequemer fand, sich per Holzlatten im Winter fortzubewegen als zu Fuß. Und als 10 Jahre später der der Lecher Pfarrer diesem Beispiel folgte traute das gläubige Volk oben am Pass seinen „Augen“ nicht. Aber wenn es der Pfarrer tut, dann kann es ja nicht schlecht sein geschweige denn mit dem Teufel zu tun haben und damit war Skifahren nicht mehr aufzuhalten.
1921 gründete Hans Schneider die erste Skischule in St. Anton in der die Schüler nach festgelegten Richtlinien unterrichtet wurden. Skipädagogisch wichtig ist diese Jahreszahl, da sie quasi die Geburtsstunde des Einkehrschwunges oder wie wir heute sagen, des Apres-Ski ist.
Wo Sport betrieben wird sind die liebevoll verrückten Engländer nicht weit, denn beim Sport gibt es immer einen Sieger und Verlierer und damit immer etwas auf das man wetten kann. Denn was wäre das Leben ohne die Wetten, reichlich fad. Ja, man kann auf einen Gipfel steigen, aus einem Flugzeug springen oder sich überlegen vier Mal zu heiraten, aber spannend ist das alles nicht. Wetten ist spannend, macht Spaß und ist ein Rennen im Rennen bei dem es wieder um den ersten Platz geht. Wahrscheinlich aus diesem Grund organisierte der britische Kandahar Skiclub aus Mürren in der Schweiz gemeinsam mit dem St. Antoner Skiclub 1927 das erste „Race“ vom Arlberg. Das Kandahar Rennen aus der Taufe gehoben und damit die einzige Disziplin wo die Österreicher gegenüber den Deutschen die Nase vorne haben. Außer es kommt wieder mal ein „Wasi“, aber der ist eigentlich kein Deutscher, der ist ja Bayer.
Als gelernter Österreicher geht es aber nicht nur um die Gaudi an sich, es muss alles seine wissenschaftliche Ordnung haben. Zudem ist es im Winter kalt, man steht schwer von der Ofenbank auf und hat viel Zeit zum überlegen. Da erfind ich mal eine neue Skifahrertechnik dachte sich wohl Stefan Kruckenhauser in den 50er Jahren in St. Christoph. Er nannte die Technik „Wedeln“ und „exportierte“ sie in die USA und nach Japan. Dieser Stil, den Franz Hoppichler technisch weiterentwickelte, prägte das Skifahren 40 Jahre lang, bis die ersten Carver beim Intersport, Sport 2000 oder Hervis im Laden standen. Die Carver brauchten die Skifahrer wie einen Bissen Brot, denn die 80er Jahre waren harte Jahre. Neben der grässlichsten Skimode, uncoolen Heckeinsteigern kratze die neue Wintersportart „Snowboard“ heftig am Image der Skifahrer. Mit zwei Bretter die Pisten runterfahren war einfach nur peinlich. Das das damalige CSI-Scanprofil eines Skifahrers schaute ungefähr so aus: Hat mit Sicherheit selbstgestrickte Socken an, hört Wolfgang Petri oder die Zillertaler Schürzenjäger, trägt eine Haube mit Quaste und steht beim Pinkeln“. Es musste also eine neue Waffe her und sie kam in Gestalt der Carving-Ski. Auf einmal wurde alles wieder anders. Skifahren genauso cool wie Snowboarden und man konnte es mit den neuen kurzen Latten leichter erlernen. Einen Nachteil haben diese Carver: Mit den Geräten glaubt jeder ein Hermann Maier zu sein und jagt den Berg runter als spiele er auf der Sony-Playstation Formula1. Die meisten vergessen dabei, dass sie keine virtuellen Crash-Test-Dummies sind. Die Chirurgen und Orthopäden freut es. Mehr Arbeit, mehr Geschäft, mehr Porsches.
Inzwischen sind Snowbaorder und Skifahrer zu Brüdern und Schwestern geworden und shaken nicht nur auf Österreichs Pisten ab, sondern man sieht auch beim einen oder anderen Annäherungsversuch am Lift in der Skihütte oder sonst wo am Berg, ohne dass dies gleich als feindliche Übernahme ausgelegt wird. Wie die technische Entwicklung weitergeht, „schau ma mal“ würde der Beckenbauer Franzl sagen.
Wir schmeißen uns jetzt jedenfalls auf die A10 in Richtung Obertauern, denn die Gamsleiten II wartet auf uns genauso wie die Erbsensuppe und das Weißbier auf der Edelweißalm.
Aus der Welt von gestern:
Monoski (im Tiefschnee lässig zu fahren, schaut aber besch…. en aus)
Telemark (superfein, können aber nur wirklich Gute, der Rest soll es lieber lassen. Da geht es nur um Technik und Gefühl)
Skibob (Spaßgerät aber zu gefährlich für den Ungeübten)
Swingbob (gibt es das überhaupt noch?)
Big Foot (irgendwie sind wir schon a bisserl erwachsen geworden. Außerdem heißt das bei uns immer noch Firngleiter)
Beheizbare Handschuhe (das ist nur was für Sternspritzer)
Skibrillen mit Scheibenwischer (was haben wir gelacht)












